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Schwere Erkrankungen machen keinen Urlaub. Die pflegerische Versorgung auf den Kinderstationen ist am Limit. Expertengruppe der Pflegekammer NRW fordert bessere Arbeitsbedingungen, stärkende Bildungskonzepte und die Einhaltung von Personaluntergrenzen.

Düsseldorf, 14. Juli 2023 – Die großen Sommerferien in Nordrhein-Westfalen sind in vollem Gange – für Kinder eine der schönsten Zeiten des Jahres. Doch eine Verschnaufpause kennen viele Kinderkliniken in NRW in diesem Sommer nicht. „Ein Sommerloch ist nicht in Sicht. Die Lage ist vielerorts angespannt, das hören wir immer wieder von Pflegenden aus den Kinderstationen. Schwere Erkrankungen machen keinen Urlaub”, sagt Leah Dörr, gelernte Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin, Pflegewissenschaftlerin sowie Vorstandsmitglied der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen. Sie ist Teil einer Expertengruppe der Kammer, die sich für alle Belange der Kinderkrankenpflege einsetzt, und betont: „Nach den Schlagzeilen im Winter mit anhaltenden Infektionswellen geraten die Kinderkliniken in der Öffentlichkeit wieder in Vergessenheit. Doch die Lage ist weiterhin ernst. Die pflegerische Versorgung ist am Limit. Die Belastungsgrenze vieler Pflegefachpersonen ist überschritten. Hier müssen wir handeln.”
Schon in den letzten Jahren, besonders während der Corona-Pandemie, hat das lang ersehnte Sommerloch in den Kinderkliniken ausgesetzt. „Das ist eine große Herausforderung”, weiß auch Petra Coenen, Pflegedienstleitung im Elisabeth-Krankenhaus in Mönchengladbach und Mitglied der Expertengruppe. „Denn die Sommerzeit war traditionell immer auch eine Erholungsphase für das Personal. Während der Arbeit im kräftezehrenden Winter war die Aussicht auf eine ruhigere Zeit im Sommer die Motivation zum Durchhalten.” Ebenso erschwert es die Personalplanung erheblich. Denn laut Daten der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen sind mehr als 80 Prozent der professionell Pflegenden in NRW weiblich. Im Elisabeth-Krankenhaus sind es laut Petra Coenen sogar nahezu 100 Prozent. „Darunter sind überwiegend Mütter, die auch mit ihren Kindern die Ferien verbringen möchten. Sie sind schließlich an die Sommerferien gebunden. Hier versuchen wir immer alle Urlaubswünsche zu realisieren und setzen auch auf Leiharbeit. Aber das ist schon ein Spagat. Da dürfen Krankheitswellen unter den Pflegenden nicht auch noch hinzukommen”, so Coenen weiter. Neben einer aktuell großen Anzahl von Geburten halten zahlreiche Virusinfekte, Gehirnerschütterungen und Hitzschläge die Kinderstation der Klinik auf Trab. Auch werden derzeit vermehrt Jugendliche mit Alkohol- oder Drogenmissbrauch behandelt. Insbesondere in der Notaufnahme sind starke Nerven gefragt. Lange Wartezeiten, übermüdete Kinder und verzweifelte Eltern sind momentan Alltag.
Die Expertengruppe der Kammer hat die Lage in den Kinderkliniken im Blick und erarbeitet Lösungskonzepte zur Entlastung und Stärkung der Pflegefachpersonen. Neben der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Optimierung der Pflege- und Versorgungskonzepte geht es auch um Konzepte für zukunfts- und kompetenzorientierte Bildungsangebote. „Hier gibt es einen erheblichen Handlungsbedarf, denn nur gut aus- und weitergebildete Pflegefachpersonen können die komplexen pflegerischen Herausforderungen bewältigen”, sagt Vorstandsmitglied Leah Dörr. Die Pflegenden, die jetzt die neue Ausbildung durchlaufen haben, brauchen zudem eine systematisch unterstützte Einmündungsphase, gerade um den hohen Anforderungen im Bereich der Kinderkrankenpflege gerecht zu werden. Wichtig ist auch eine schnell zu entwickelnde Weiterqualifikation für die pädiatrische Pflege. Die Weiterbildungsordnung, eine der Hauptaufgaben der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen, wird derzeit im Bildungsausschuss erarbeitet und zum 1. Januar 2024 in Kraft treten. Darüber hinaus ist die Einhaltung von Pflegepersonaluntergrenzen ein Thema, das ebenfalls weit oben auf der Agenda steht. Auch das wird die Kammer angehen. „Wir haben uns viel vorgenommen und sind an den Themen dran, auch im engen Austausch mit der Ärzteschaft”, so Leah Dörr.

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