Brief an Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fordert verbindliche Hitzeschutzpläne mit festen Auslösekriterien
Pflegekammer NRW fordert automatische Schutzmaßnahmen ab definierten Schwellen sowie erweiterte pflegerische Handlungskompetenzen
„Hitze ist die vorhersehbarste Krise – und trotzdem reagieren wir zu spät“
Düsseldorf, 30. Juni 2026. Die Temperaturen steigen auf 40 Grad, Pflegeheime und Krankenhäuser arbeiten im Ausnahmezustand. Labore werden zu improvisierten Kühlbereichen umfunktioniert, Rettungsdienste unterstützen zusätzlich die laufende Versorgung. Der organisatorische Aufwand ist enorm – und dennoch hat die Hitze laut WHO am vergangenen Wochenende rund 1300 Menschen in Europa das Leben gekostet.
„Am Wochenende ist die Situation in vielen Einrichtungen eskaliert“, sagt Dominik Stark, Vorstandsmitglied der Pflegekammer NRW. „Dabei ist Hitze die vorhersehbarste aller Krisen. Wir kennen die Risiken seit Jahren, es gibt Aktionstage und Empfehlungen – und trotzdem greifen die Systeme zu spät. Das ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Resilienzproblem.“
Pflegekammer NRW sucht Austausch mit dem Gesundheitsministerium
Mit einem Schreiben an Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann fordert die Pflegekammer Nordrhein-Westfalen deshalb einen grundlegenden Kurswechsel im Hitzeschutz. Zudem bittet sie um einen kurzfristigen Austausch mit den zentralen Akteur*innen im Gesundheitswesen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Versorgungssysteme künftig automatisch und rechtzeitig in den Schutzmodus wechseln können.
Dazu fehlt es nicht an Wissen oder Konzepten. Der bundesweite Hitzeschutzplan für Gesundheit gibt Empfehlungen vor, viele Einrichtungen haben einen Plan für ihr Haus in der Schublade liegen. Eine verpflichtende Umsetzung und ein automatisches Auslösen dieser Pläne gibt es allerdings nicht.
Bestehende Pläne konsequent weiterentwickeln
„Wir brauchen Systeme, die ab definierten Schwellenwerten automatisch greifen – zum Beispiel ab 38 Grad oder bei klar definierten Risikokonstellationen“, betont Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW. „Außerdem muss es eine Erweiterung pflegerischer Handlungskompetenzen geben. Pflegefachpersonen müssen in solchen Lagen bestimmte Maßnahmen eigenständig einleiten können, ohne dass es jedes Mal zusätzlicher Freigaben bedarf.“
Die Pflegekammer NRW fordert deshalb, bestehende Krisen- und Katastrophenschutzpläne konsequent weiterzuentwickeln. Hitzeschutz muss verbindlich an die Warnstufen des Deutschen Wetterdienstes gekoppelt werden. Ergänzend braucht es interdisziplinäre mobile Unterstützungsteams aus Pflege und Rettungsdienst, den Ausbau von Community Health Nurses, die gezielte Bereitstellung mobiler Klimageräte für besonders belastete Einrichtungen sowie zusätzliche personelle Unterstützung über ein landesweites Freiwilligenregister.
Die nächste Hitzewelle ist nur eine Frage der Zeit
Die Pflegekammer NRW warnt davor, aktuelle Hitzewellen als Ausnahme zu betrachten. Klimaforschende gehen seit Jahren davon aus, dass extreme Hitze häufiger, länger und intensiver auftreten wird. Gleichzeitig trifft die Klimakrise auf eine alternde Gesellschaft mit steigender Verletzlichkeit durch Vorerkrankungen.
„Dieser Sommer wird rückblickend vermutlich einer der kühlsten sein, die wir künftig erleben werden“, sagt Postel. „Die entscheidende Frage lautet nicht, ob die nächste Hitzewelle kommt. Die Frage lautet, ob wir bis dahin ein System haben, das automatisch und rechtzeitig schützt.“
Die dazugehörige Pressemitteilung als Download finden Sie hier.
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