Der Versorgungsmangel in der Pflege wird vor allem einen Bereich massiv treffen: Alten- und Pflegeheime. Für die sogenannte „stationäre Langzeitpflege“ zeigen die erstmals umfassend erhobenen Daten der Pflegekammer NRW, dass in den kommenden Jahren vier von zehn Pflegefachpersonen in Rente gehen. Zugleich ist die Zahl derer, die aus der Ausbildung in den Beruf nachrücken, verschwindend gering. „Wie wollen sie eine Station mit – sagen wir – zehn Kolleginnen und Kollegen künftig betreiben, wenn vier davon in Rente gehen und gerade mal eine neue Kraft hinzukommt, die aber nur stundenweise arbeitet? Das ist umgerechnet das Verhältnis, mit dem wir es nahezu flächendeckend in den kommenden Jahren zu tun haben“, erklärt Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW.
Dieses Ergebnis sei erschreckend, denn: „Wir reden hier nicht von einer Entwicklung, die in 20 oder 30 Jahren passieren wird. Es wird schon in den kommenden 5 Jahren so weit sein und liegt unmittelbar vor uns“, sagt Postel. Das Problem könne also die Politik nicht auf andere Legislaturperioden in der Zukunft verschieben. Die Pflegekammer NRW sieht hier die aktuelle Landespolitik, aber auch die Kommunalpolitik vor Ort in der Verantwortung und wendet sich erneut an alle Städte bzw. Kreise, damit diese ihre Gesundheitswirtschaft und Pflegeinfrastruktur neu organisieren.
Bereits im Frühjahr 2025 hatte die Pflegekammer NRW die Kommunalpolitik und kommunale Medien im Land zu den alarmierenden Entwicklungen in der Pflege insgesamt informiert und mit einer Kommunikationskampagne auf den steigenden Pflegebedarf aufmerksam gemacht. Einige Kommunalpolitiker*innen nahmen bereits zur Kammer bzw. zu Frau Postel Kontakt auf, um weitere Informationen zu erhalten. Nun legt die Pflegekammer NRW erstmals belastbare Daten speziell für die stationäre Langzeitpflege vor – und zeigt damit die Dringlichkeit der Situation auf kommunaler Ebene noch deutlicher.
Die Präsidentin der Pflegekammer NRW fordert deshalb die Kommunen in NRW erneut dazu auf, die Zahlen ernst zu nehmen. „Die Pflegekammer NRW ist die Interessensvertretung für die beruflich Pflegenden und trägt Verantwortung für die Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen pflegerischen Versorgung. Angesichts der Herausforderungen in der pflegerischen Infrastruktur setzen wir uns dafür ein, dass regionale Gremien mit Vertreterinnen der Pflege besetzt werden, um die Belange der Praxis direkt einzubringen“, erklärt Sandra Postel. „Einen weiteren Schwerpunkt sehen wir in der Förderung der Quartierspflege, die Angehörige, Nachbarn und Freunde in die Pflege vor Ort einbindet. Zudem sehen wir die Notwendigkeit in der Stärkung der ambulanten Versorgung, um eine wohnortnahe Versorgung zu gewährleisten“, so Postel. Diese Forderungen wurden im Frühjahr 2025 bereits an die zuständigen Kommunalpolitikerinnen in Form von Pressemeldungen und Briefen herangetragen.
Viele Jahrzehnte hatte das Land NRW keinen Überblick darüber, wo welche Pflegefachpersonen mit welcher Qualifikation oder welchem Alter eingesetzt sind. Seit Gründung der Pflegekammer Nordrhein-Westfalen Ende 2022 und dem damit aufgebauten Register über alle Pflegefachpersonen in NRW sind derartige Prognosen möglich.
Wir informieren die Kommunen und die Öffentlichkeit.
Hier finden Sie die Zahlen für die 53 Kreise und kreisfreien Städte in NRW:
07.02.2025: Pflegekammer NRW warnt vor massivem Versorgungsmangel in der Pflege – zehn Städte besonders betroffen ↗️
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