Maßnahmenpaket erneut auf dem Rücken der Pflege
Mehr Kompetenzen geplant – doch Bezahlung und Entlastung bleiben ungeklärt
Fast jede zweite Pflegekraft übernimmt bereits regelmäßig fachfremde Tätigkeiten
Düsseldorf, 2. April 2026. „Pflege kann mehr – aber nicht zum Nulltarif!“ Mit deutlichen Worten reagiert die Pflegekammer NRW auf die aktuellen Sparpläne in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Das Gesetz zur Befugniserweiterung und Entbürokratisierung in der Pflege (BEEP) sieht vor, Pflegefachpersonen künftig mit erweiterten Kompetenzen auszustatten – etwa bei der häuslichen Krankenpflege oder der Verordnung von Hilfsmitteln. Dies soll das Gesundheitssystem entlasten und Geld sparen.
„Wenn Pflegefachpersonen mehr Verantwortung übernehmen sollen, muss sich das endlich auch in der Bezahlung widerspiegeln“, sagt Sandra Postel, Präsidentin der Pflegekammer NRW. „Schon heute übernehmen viele Kolleg*innen Aufgaben, die eigentlich ärztlich vergütet werden – nur ohne entsprechende Honorierung. Das ist nicht länger hinnehmbar.“
Tatsächlich zeigt der Pflegealltag bereits jetzt ein deutliches Missverhältnis zwischen Verantwortung und Anerkennung. Pflegefachpersonen beurteilen Patient*innen, geben Empfehlungen und bereiten Verordnungen vor – die abschließende Unterschrift leisten jedoch Ärzt*innen, die dafür bezahlt werden.
Fachfremde Aufgaben verschärfen die Belastung
Gleichzeitig wächst der Druck von einer anderen Seite: Immer mehr Pflegefachpersonen werden für Tätigkeiten eingesetzt, die nicht zu ihrem Beruf gehören. Eine aktuelle Studie des Instituts für Demoskopie Allensbach (2025) im Auftrag der Pflegekammern NRW und Rheinland-Pfalz zeigt: Fast jede zweite Pflegefachperson übernimmt regelmäßig fachfremde Aufgaben, unter den unter 30-Jährigen ist es sogar mehr als die Hälfte. Fast 80 % sind zumindest gelegentlich davon betroffen.
Die Folgen sind gravierend: Rund 6 von 10 Pflegefachpersonen denken darüber nach, ihren Beruf zu verlassen. Bürokratie, fachfremde Tätigkeiten und steigende Anforderungen führen dazu, dass die eigentliche Pflege immer weiter in den Hintergrund gerät.
Berufsordnung muss mit Leistungsrecht gekoppelt werden
„Wir verlieren die Pflegekräfte nicht irgendwann – wir verlieren sie jetzt. Und jede zusätzliche Belastung beschleunigt diesen Trend“, warnt Postel. „Wenn Pflegefachpersonen mehr Zeit mit Dokumentation, Botengängen oder Putzen verbringen als mit Patient*innen, gefährden wir die Versorgungsqualität.“
Vor diesem Hintergrund fordert die Pflegekammer NRW eine grundlegende Neuordnung:
Mehr Kompetenzen für die Pflege dürfen nur mit einer klaren Definition pflegerischer Aufgaben, einer spürbaren Entlastung im Alltag und einer angemessenen Vergütung einhergehen. „Nur eine klare Berufsordnung kann dem Leistungsrecht zugrunde liegen. Dafür müssen wir in die Diskussion gehen, was Pflege ist und wofür sie bezahlt wird.“
Kampagne #nichtdeinjob: Pflege soll wieder Pflege sein
Mit der Kampagne #nichtdeinjob macht die Pflegekammer NRW bereits auf die Problematik aufmerksam. Ziel ist es, Pflegefachpersonen durch die Berufsordnung zu stärken und ihnen zu ermöglichen, sich wieder auf ihre eigentlichen Kernaufgaben zu konzentrieren. „Pflege braucht endlich die Freiheit, ihren eigentlichen Job zu machen,“ schließt Postel.
Die dazugehörige Pressemitteilung finden Sie hier.
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Katrin Simoneit
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